Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Jüdischen Gemeinde München und Oberbayern, hat ihre Besorgnis über den Wahlsieg der Alternative für Deutschland (AfD) geäußert. Diese Partei wird bei den Wahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt als rechtsextreme Partei anerkannt und erhielt fast 44 Prozent der Stimmen. Knobloch erklärte, dass einige Juden nach diesen Ereignissen darüber nachdenken, Deutschland zu verlassen.
Bedenken über die Rückkehr nationalsozialistischer Gedanken
Knobloch sagte: „Es hat Jahre gedauert, bis Juden in Deutschland nach dem Holocaust wieder Vertrauen in das Land fassen konnten“. Sie fügte hinzu, dass nun große Ängste wieder aufgetaucht sind und dies ihr größtes Problem darstellt. Knobloch verwies auf die Bemühungen nach 1945 zur Wiederherstellung jüdischer Gemeinden und sagte: „Wir haben versucht, Juden ein Zuhause zu geben, das lange Zeit nicht bestand.“
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Wahlauswirkungen und politische Zukunft
Bei den Wahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt könnte der AfD-Spitzenkandidat, Ulrich Siegmund, trotz des Nichterreichens einer absoluten Mehrheit zum Ministerpräsidenten des Landes ernannt werden. Knobloch warnte vor diesem Thema und sagte: „Wir können nicht zulassen, dass einer dieser Personen Ministerpräsident wird. Das ist eine sehr gefährliche Situation“. Sie äußerte die Hoffnung, dass andere Parteien sich gegen diese Bedrohung zur Wehr setzen und dass sie dies tun können, obwohl es Mut erfordert.
Knobloch, die fast 94 Jahre alt ist, ist eine der herausragenden Vertreterinnen des jüdischen Lebens in Deutschland und eine der letzten lebenden Zeuginnen der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945. Sie wurde 1932 geboren und wuchs zunächst bei ihrer Großmutter auf, die 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde und dort ihr Leben verlor. Ein Bekannter ihrer Familie rettete sie und hielt sie auf seiner Farm in Mittelfranken als sein eigenes Kind.
Zunehmende Bedrohungen und Ängste
Knobloch erhielt in der vergangenen Woche Todesdrohungen. Laut einer Erklärung der Polizei entdeckte ein Zeuge die schriftlichen Drohungen auf einer Parkbank und einem Mülleimer im Englischen Garten in München und informierte die Polizei. Nach diesen Drohungen sagte Knobloch ihre Teilnahme an einer Veranstaltung ab. Diese Drohungen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt.
Sie sprach über nationalsozialistische Gedanken und deren Einfluss auf das tägliche Leben: „Früher kamen mir diese Gedanken selten in den Sinn, aber jetzt denke ich jeden Tag daran“. Knobloch betonte die Notwendigkeit, mit Jugendlichen zu sprechen, und sagte: „Wir müssen Wege finden, um die Jugendlichen wieder in die Gesellschaft zurückzubringen“. Sie wies auf die Ängste der Jugendlichen hin und sagte: „Die Jungen müssen das Gefühl haben, dass sie ohne Angst, ihre Meinungen zu äußern, sprechen können“.
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