Die Türkei setzt die Unterdrückung von LGBTQ+-Aktivisten fort
Sonderbericht

Die Türkei setzt die Unterdrückung von LGBTQ+-Aktivisten fort

منبع تصویر: dw.com

Von 3 Min. Lesezeit 42,750

Die türkische Regierung hat in ihrer jüngsten Operation gegen LGBTQ+-Aktivisten und -Organisationen am Wochenende mehrere Personen festgenommen und viele damit verbundene soziale Konten gesperrt. Diese Maßnahmen, die unter dem Titel "Dekade der Familie und Bevölkerung" durchgeführt wurden, stehen in scharfem Gegensatz zu den heftigen Kritiken von Menschenrechtsgruppen und internationalen Institutionen.

Details der Operation und Reaktionen

Recep Tayyip Erdoğan, der Präsident der Türkei, erklärte diese Operation als Teil einer nationalen Strategie zur Bekämpfung des drastischen Rückgangs der Geburtenrate im Land. Diese Maßnahme deutet eindeutig auf den Versuch der Regierung hin, traditionelle und konservative Familienansichten zu fördern. In einer Erklärung, die von mehreren Frauengruppen veröffentlicht wurde, wurde betont, dass das Versammlungsrecht, die Meinungsfreiheit und der Schutz der Privatsphäre auch für LGBTQ+-Personen gelten sollten. Sie erklärten, dass die Unterdrückung der Identitäten und Rechte dieser Personen Teil der autoritären Politik ist.

Yıldız Tağızade, Kommunikationsverantwortliche bei der Organisation "Frauen für Menschenrechte" (WWHR), sagte, dass die Regierung versuche, die LGBTQ+-Gemeinschaft zu kriminalisieren, und dieser Prozess vor mehreren Jahren begonnen habe. Sie fügte hinzu: "Das Ziel ist nicht nur, LGBTQ+-Personen ins Visier zu nehmen, sondern praktisch die Teilnahme dieser Gemeinschaft an Politik und Rechten zu verbieten."

Kritik und Folgen

Verschiedene andere Gruppen haben die Maßnahmen der Regierung ebenfalls scharf kritisiert. Die Türkische Ärztekammer bezeichnete diese Maßnahmen als Menschenrechtsverletzung und forderte ein Ende der diskriminierenden Politiken. Laut ihnen ist es inakzeptabel, Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung als Verbrechen zu betrachten und Menschen nachts aus ihren Häusern zu holen. Erkan Baş, der Vorsitzende der Arbeiterpartei der Türkei, forderte die sofortige Freilassung der Festgenommenen und fügte hinzu, dass die Existenz von LGBTQ+-Personen niemals ein Verbrechen sei.

Diese Operation fand am Sonntag in den Städten Istanbul, Ankara und Izmir statt. Während dieser Zeit wurden zahlreiche Websites und soziale Konten von LGBTQ+-Gruppen und Aktivisten gesperrt. Am Tag der Operation wurden 32 weitere Konten ausgesetzt, und am nächsten Tag stieg die Zahl der gesperrten Konten auf über 100.

Zu den Konten, die von diesen Maßnahmen betroffen waren, gehörten bekannte Organisationen wie Amnesty International Türkei, die linke Zeitung Evrensel und die Menschenrechtsgruppe Kaos GL. Die rechtliche Grundlage für diese Maßnahmen war ein Urteil eines Istanbuler Gerichts, das am 13. September verkündet wurde.

Das türkische Justizministerium hat ebenfalls scharf gegen LGBTQ+-Organisationen Stellung bezogen und sie der Förderung von Korruption beschuldigt. Während gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Türkei nicht strafbar sind, hat die Regierung die LGBTQ+-Gemeinschaft wiederholt als Bewegung von "Abweichung" dargestellt.

Die Europäische Union hat ebenfalls Besorgnis über diese Unterdrückungen geäußert und betont, dass die Menschenrechte in der Türkei respektiert werden müssen. Der Sprecher der Europäischen Kommission, Christian Wigand, erinnerte daran, dass die Türkei als Beitrittskandidat zur Europäischen Union die Rechte und die Würde aller Menschen respektieren muss.

Quelle: dw.com