Deutschland hat seinen ersten F-35-Jet bei einer Zeremonie im Lockheed Martin-Werk in Texas erhalten. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius war bei der Zeremonie anwesend. Diese lange geplante Lieferung erfolgt unter dem Umstand, dass das Entwicklungsprojekt für den nächsten Generation-Jet Frankreich-Deutschland-Spanien, bekannt als FCAS, aufgrund von Differenzen zwischen den Hauptunternehmen gescheitert ist. Dies hat Berlin dazu veranlasst, seine zukünftigen Planungen für die Jagdflugzeugflotte zu überdenken.
Bedarf an der Aufrechterhaltung der Rolle in der nuklearen Teilhabe der NATO
Der Lockheed Martin F-35A Lightning II wurde entwickelt, um Deutschlands dringendes Problem zu lösen, nämlich die Ersetzung der alten Tornado-Jets und die Aufrechterhaltung der Rolle des Landes in der nuklearen Teilhabe der NATO. Pistorius sagte am Rande der Übergabezeremonie: "Wir wollen und müssen die nukleare Teilhabe aufrechterhalten." Er betonte, dass der F-35 derzeit "das einzige Flugzeug der Welt ist", das diese Mission erfüllen kann.
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Gemäß dem NATO-Nuklearbeteiligungsprogramm verfügen Deutschland und andere ausgewählte Verbündete über Flugzeuge, die US-Atomwaffen transportieren können, obwohl die Entscheidung über deren Einsatz in der Hand Washingtons bleibt. Die ersten F-35-Jets werden für kurze Zeit in den USA bleiben, um Piloten und Techniker auszubilden, und es wird erwartet, dass die meisten Jets bis Ende 2027 zur Luftwaffenbasis Büchel verlegt werden. Die vollständige Einsatzbereitschaft dieser Jets wird bis 2030 erwartet.
Deutschlands zukünftige militärische Herausforderungen
Deutschland verfügt derzeit über etwa 80 Tornado-Jets, und einige Missionen werden auf den Eurofighter Typhoon übertragen. Dennoch hat das Scheitern des FCAS-Projekts langfristige Lücken in Deutschlands Plänen für seine Jagdflugzeugflotte geschaffen. Der Chef der Luftwaffe Deutschlands, General Holger Nyman, hat erklärt, dass er das Verteidigungsministerium gebeten hat, "Plattformen der fünften Generation und höher über das Jahr 2035 hinaus" bereitzustellen. Er sagte: "Ich sage nicht, dass das neue System im Jahr 2035 bereit sein muss, aber wir müssen von diesem Punkt an weitermachen."
Eine der Optionen für Deutschland besteht darin, die Anzahl der F-35 durch den Kauf von 15 zusätzlichen Jets zu erhöhen. Marie-Christine von Hahn, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), erklärte, dass der F-35 eine klare Mission im Bereich der nuklearen Teilhabe hat, warnte jedoch, dass die Beschaffung nicht die Politiker von größeren Herausforderungen ablenken sollte. Sie sagte: "Die Luftstreitkräfte Europas benötigen ihre Flügel" und betonte, dass Deutschland weiterhin in der Lage sein muss, Jets zu entwickeln, zu bauen, zu warten und aufzurüsten.
Das Scheitern des FCAS-Jet-Programms war auf Streitigkeiten über die Kontrolle zwischen führenden französischen und deutschen Unternehmen zurückzuführen. Zudem gerieten Paris und Berlin über die Rolle der Jets in Konflikt, da Frankreich einen leichten Jet für den Einsatz auf seinen Flugzeugträgern wollte, während Deutschland einen schwereren Jet für Luftüberlegenheitsrollen benötigte.
Deutschland blickt auch auf das britisch-italienisch-japanische Global Combat Air Programme (GCAP), obwohl die aktuellen Mitglieder nicht sehr daran interessiert sind, die Anzahl der Partner zu erweitern. Andererseits könnte der US-Sechste-Generation-Jet F-47, der von Boeing entwickelt wird, bis zum Ende dieses Jahrzehnts in Dienst gestellt werden. Allerdings hat der ehemalige US-Präsident Donald Trump gesagt, dass die USA weniger von diesen Jets an ihre Verbündeten verkaufen werden, was deren Attraktivität verringern könnte.
Während ein Sechste-Generation-Jet nach wie vor ein langfristiges Ziel ist, bleibt für die deutsche Industrie die zentrale Frage, wie inländische Unternehmen stark in die zukünftige Wartungs- und Unterstützungsstruktur des F-35 integriert werden. Lockheed Martin hat erklärt, dass etwa ein Viertel der Teile dieses Jets in Europa hergestellt wird. Das deutsche Unternehmen Rheinmetall produziert ebenfalls Rumpfteile für ausländische Kunden, was den F-35 zu einem Produkt enger defensiv-industrieller Beziehungen zwischen Europa, Kanada und den USA macht.
Pistorius betonte, dass diese Beziehungen für die Verteidigung Deutschlands wichtig sind. Er sagte: "Wann immer wir über Unabhängigkeit sprechen, müssen wir auch die gegenseitigen Abhängigkeiten berücksichtigen, die die Verbündeten eng zusammenhalten und es ihnen ermöglichen, voneinander zu profitieren."
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